C L A R A - GEMEINSAM KLARER SEHEN

Hinsehen statt Wegsehen!

Kennt Ihr Jemanden, der von häuslicher Gewalt betroffen ist? Als erstes ist es wichtig, die Sachlage zu erkennen und richtig einschätzen. Es geht dann weiter darum, mit der betroffenen Person darüber zu sprechen. Dabei ist die Gesprächsführung von großer Bedeutung: Am besten sprecht Ihr sie mit klaren und deutlichen aber freundlichen Worten darauf an, wobei die Vertraulichkeit und die Privatsphäre unbedingt gewahrt werden müssen. Weiter haben Schutz und Sicherheit der von Gewalt betroffenen Person oberste Priorität. Ihr könnt dann das Opfer über mögliche Hilfestellen, Rechte sowie Schutzmöglichkeiten informieren.

Im Kontakt mit Betroffenen ist vor allem wichtig, Hilfsbereitschaft zu signalisieren. Schon der Hinweis "Ich würde Dir so gern helfen, sprich mich an, wenn ich etwas für Dich tun kann", bedeutet für die Person, dass ihre Not gesehen wird und nicht ihr die Schuld gegeben wird. Niemand sollte sich aber enttäuscht zurückziehen, weil das gut gemeinte Angebot nicht gleich mit Dankbarkeit beantwortet wird, sondern auch künftig freundlich bleiben.

Auch Vergewaltigung und sexueller Missbrauch sind Themen, die schockieren und verunsichern. Die meisten Menschen blenden sie aus Angst oder Unsicherheit einfach aus. Doch diese Einstellung hilft den Tätern und schwächt die Opfer. Immer noch werden täglich viele Menschen Opfer von Gewalt, dabei kann jede und jeder Einzelne etwas dagegen tun.

Was könnt Ihr dagegen tun? Sprecht im Freundes-, Kollegen- und Bekanntenkreis aktiv über das Thema Gewalt. Sprecht Euch gegen gängige Vorurteile aus: "Wer einen Minirock trägt, ist selbst schuld.", "Frauen müssen sich besser zur Wehr setzen." usw., denn die Verantwortung liegt immer beim Täter.

Woran ist häusliche Gewalt zu erkennen?

Die Täter ...

... beleidigen die Opfer und machen sie bei FreundInnen oder Familienmitgliedern schlecht.

... hindern Misshandelte, ihre Familie oder FreundInnen zu treffen.

... halten sie davon ab, das Haus zu verlassen.

... werden plötzlich wütend oder rasten aus.

... beschädigen die Sachen der Opfer.

... drohen damit, die Opfer, ihre Kinder, Verwandte, FreundInnen, ihre Haustiere oder sich selbst zu verletzen.

... schlagen, stoßen, schubsen, beißen.

... erzwingen sexuelle Gefälligkeiten.

... akzeptieren nicht, dass die Misshandelten sich von ihnen getrennt haben oder trennen wollen und verfolgen oder terrorisieren sie.

Die Opfer ...

... haben keine Zeit, um sich mit Verwandten, FreundInnen, KollegInnen zu treffen.

... treffen keine eigenen Entscheidungen.

... haben kein Geld zur eigenen Verfügung.

... haben Verletzungen ("blaues Auge").

Sexuelle Gewalt wird oft nur bekannt, wenn das Opfer die Kraft hat, sich hilfesuchend an Dritte zu wenden.

Wie könnt Ihr Betroffene konkret unterstützen?

Menschen, die häusliche oder sexuelle Gewalt erlebt haben, brauchen Verständnis, Trost und Unterstützung. Für die psychische Verarbeitung ist es immens wichtig, dass das große Unrecht, das sie erlebt haben, als solches anerkannt wird.

Trost spenden

Versucht offen und unvoreingenommen zu sein. Respektiert, dass JedeR einen eigenen Weg hat, das Erlebte zu verarbeiten.

Zeigt, dass Ihr dem Täter die alleinige Verantwortung für die Tat geben. Sätze wie "Warum bist Du auch mitgegangen" oder "Warum hast Du Dich nicht gewehrt" gibt dem Opfer eine Mitschuld, die es nicht hat.

Übt keinen Druck aus, das Erlebte zu erzählen. Es kann sein, dass die Betroffenen dadurch das Erlebte erneut durchleben müsste und sich davor schützen wollen.

Wenn Betroffene keinen Abstand aufbauen können und die Gewalt immer wieder durchleben, ihre Gedanken und Gefühle übermächtig werden und sie sich selbst nicht beruhigen können, sagt ihnen einfühlsam: "Es ist vorbei. Du bist in Sicherheit", um sie in die Gegenwart zurückholen.

Unternehmt nichts ohne das Einverständnis der Betroffenen. Besonders rechtliche Schritte, wie die Information der Polizei, sind nur nach vorheriger Information und in Absprache mit den Betroffenen sinnvoll. Gewaltätige Übergriffe und Vergewaltigungen sind Offizialdelikte, d.h. wenn Polizei und Staatsanwaltschaft davon erfahren, sind sie verpflichtet zu ermitteln. Damit sind Betroffene in das Ermittlungsverfahren einbezogen, auch wenn sie sich dazu nicht in der Lage fühlen. Falls Ihr Zeuge oder Zeugin von massiver Gewalt werdet, z.B. Hilfeschreie aus einer Wohnung hört, sollte Ihr Euch jedoch nicht scheuen, sofort die Polizei anzurufen.

Macht Betroffenen Mut, sich professionelle Unterstützung zu holen, um wieder stabil zu werden.

Überlegt gemeinsam Möglichkeiten, für die weitere Sicherheit der Betroffenen zu sorgen: z.B. telefonische Erreichbarkeit über Handy, Nachbarn einbeziehen, technische Sicherheitsvorkehrungen, im Notruf über geeignete Maßnahmen informieren.

Überfordert Euch nicht selbst. Häusliche Gewalt und Vergewaltigung sind schwere Traumatisierungen und es kann sein, dass auch Euch diese Gewalttaten sehr berühren und mitnehmen.

Auf unserer Website erfahrt Ihr, was häusliche und sexuelle Gewalt ist und welche Auswirkungen sie auf die Opfer haben kann. Wir informieren Euch über die Unterstützungsangebote im Landkreis Karlsruhe (inkl. Karlsruhe). Solltet Ihr Fragen oder Anregungen haben, könnt Ihr gern mit uns in Kontakt treten.

Quellen: http://www.psychologie-psychotherapie.ch/klinische_psychologie/haeusliche_gewalt.php, http://www.frauennotrufmuenchen.de/unterstutzen/hinsehen/, http://www.tu-ilmenau.de/campusfamilie/auswege-bei-gewalt/mut-fassen/haeusliche-gewalt/, http://www.frauennotruf-koblenz.de/angehoerige-bezugspersonen/tipps

"Die ganze Vielfältigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit unseres Lebens
setzen sich aus LICHT und SCHATTEN zusammen."
(Tolstoi)