C L A R A - GEMEINSAM KLARER SEHEN

Sexuelle Gewalt

Vergewaltigung ist ein Verbrechen

... und nicht ein aggressiver Ausdruck von Sexualität. Sie ist eine extreme Form männlicher Machtausübung und Gewalt. Es handelt sich also um eine sexualisierte Gewalttat, auch wenn keine körperlichen Verletzungen sichtbar sind. Jede Person hat das Recht, an jedem Punkt einer Begegnung "Nein" zu sagen, an dem sie sich unwohl fühlt. Es gibt kein "zu früh" und kein "zu spät".

Die Verantwortung liegt allein beim Täter

Noch immer werden Opfer, die eine Vergewaltigung erleben mussten, zusätzlich mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen belastet. Besonders dann, wenn sie den Täter persönlich kennen, mit ihm verabredet waren oder ihn in die Wohnung eingeladen haben, fühlen sie sich selbst schuldig.

Vergewaltigung ist ein Verbrechen

Vergewaltigungsopfer reagieren je nach Persönlichkeit ganz unterschiedlich auf eine Vergewaltigung. Manche sind völlig aufgelöst und verzweifelt, andere wirken ruhig und gelassen. Viele reden kaum über die Tat, weil sie sich schämen und befürchten, dass ihnen nicht geglaubt oder die Schuld für die Tat selbst zugeschrieben wird. Gerade in den Fällen, in denen das Opfer den Täter gut kennt, sind die Opfer unsicher, ob das von ihnen Erlebte tatsächlich Unrecht und eine Straftat ist und welche rechtlichen Möglichkeiten sie haben.

Rechtliche Hintergründe

Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung handelt es sich um schwere Straftaten, sogenannte Offizialdelikte. Jedes Eindringen in den Körper einer Person gegen ihren Willen, unter Anwendung von Gewalt oder Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder auch bei Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist, gilt als Vergewaltigung (§177 Strafgesetzbuch). Die Erweiterung des § 177 StGB hat den Unterschied zwischen ehelicher und außerehelicher Vergewaltigung abgeschafft. Es gelten alle erzwungenen "sexuellen Handlungen" als Vergewaltigung - unabhängig davon, ob sie durch den Ehepartner, bekannte oder fremde Personen verübt worden sind. Eine besondere Schwere stellt die Tat immer dann dar, wenn sie von mehreren Tätern gemeinschaftlich begangen wird.

Ihr könnt die Tat bei jeder Polizeidienststelle anzeigen bzw. über die Telefonnummer 110 einen Streifenwagen rufen. Die Beamtinnen und Beamten der Schutzpolizei nehmen Deine Personalien und die Angaben über Tatort, Tatzeit und den Täter sowie erste notwendige Hinweise zur Tat auf. Auskünfte, die darüber hinausgehen, werden in einer späteren ausführlichen Vernehmung von der Kriminalpolizei erfragt. Soweit es möglich ist und von Ihnen gewünscht wird, führt diese Vernehmung eine Kriminalbeamtin durch.

Wenn Polizei oder Staatsanwaltschaft von einer Vergewaltigung erfahren, sind sie verpflichtet, Ermittlungen aufzunehmen, um die Straftat aufzudecken - das heißt auch, dass eine Anzeige nicht mehr zurückgezogen werden kann, da ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht. Eine Vergewaltigung kann noch nach einem langen Zeitraum angezeigt werden. Die Verjährungsfrist beträgt 20 Jahre. Entscheidet sich eine Person für eine Anzeigenerstattung und hat vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben mit der Kriminalpolizei und dem Gericht zu tun, so entstehen für sie viele Fragen und Unklarheiten, z.B.:

Die Art der Straftat macht es erforderlich, dass Euch möglicherweise auch unangenehme Fragen gestellt werden müssen. Bei der Vernehmung kann eine Person Deines Vertrauens bzw. eine Anwältin oder ein Anwalt anwesend sein. Eine Anzeige ist auch schriftlich direkt an die Staatsanwaltschaft oder Polizei oder über eine Anwältin/einen Anwalt möglich. Dadurch wird jedoch nicht die Erstvernehmung ersetzt.

Falls Ihr bis zum Zeitpunkt der Anzeigeerstattung noch nicht ärztlich untersucht worden seid, werdet Ihr von der Polizei in ein Krankenhaus oder in eine ärztliche Praxis gefahren, um Ihnen die nötige ärztliche Versorgung zukommen zu lassen (u.a. Erstversorgung körperlicher Verletzungen, Schwangerschafts- und Aidstest) und gerichtliche Beweise zu sichern. Ihr könnt darum bitten, von einer Frau untersucht zu werden.

Solltet Ihr nicht (gleich) zu einer Anzeige entschließen können, beachtet bitte dennoch einige Punkte, die für eine spätere Strafverfolgung wichtig sind:

  • Vernichtet keine Beweismittel; bewahrt z. B. Bekleidung, Wäsche, Bettlaken oder andere Gegenstände auf, mit denen der Täter in Berührung gekommen ist oder Eurer Meinung nach gekommen sein könnte.
  • Wenn möglich, wascht Euch nicht, bevor Ihr ärztlich untersucht worden sind.
  • Lasst Euch möglichst schnell ärztlich untersuchen und Spuren sichern. Wir emfehlen, dass Ihr Euch an eine Gewaltambulanz wendet.
  • Reinigt nicht die Kleidung, die Ihr zur Tatzeit getragen haben und werft auch zerrissene Kleidungsstücke und Unterwäsche nicht weg. Diese könnten wichtige Spurenträger sein.
  • Verändert den Tatort nicht!
  • Versucht, den Tathergang in Form eines Gedächtnisprotokolls schriftlich festzuhalten. Das kann für die späteren Vernehmungen und das Verfahren sehr wichtig werden.

Vor Anzeigeerstattung ist es jedoch hilfreich, noch einige weitere Rechte zu kennen:

Betroffene haben in den Vernehmungen und auch bei der ärztlichen Untersuchung das Recht auf Begleitung durch eine Vertrauensperson. Um sich vor weiterer Kontaktaufnahme durch den Täter zu schützen, können sie verlangen, dass ihre Adresse nicht in der Akte erscheint. Nach einer Sexualstraftat, wie beispielsweise einer Vergewaltigung, können sich Betroffene auf Staatskosten durch ein/e Rechtsanwält/in vertreten lassen und durch diese Akteneinsicht bekommen. Ihr habt die Möglichkeit, als Nebenkläger/in im Strafprozess aufzutreten, um sich aktiv am Verfahren beteiligen zu können.

Mit der Nebenklage sind u.a. folgende Rechte verbunden:

  • Die/der Nebenkläger/in kann während der gesamten Verhandlung anwesend sein.
  • Auf Antrag der/des Nebenkläger/in kann die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden.
  • Ihr könnt durch Eure/n Anwält/in unangemessene Fragen zurückweisen.
  • Die/der Nebenkläger/in hat das Recht - über ihre/n Anwält/in oder selbst -
  • Fragen an den Angeklagten und die ZeugInnen zu stellen.
  • Es können Beweisanträge gestellt werden.
  • Die/der Rechtsanwält/in kann einen Schlussvortrag (Plädoyer) halten und dabei den Sachverhalt auch aus der Sicht der/s Geschädigten darstellen und zu Verletzungsfolgen Ausführungen machen.

Auch ohne Nebenklage hat die Betroffene das Recht, über den Ausgang des Verfahrens informiert zu werden.

Das Opfer kann bei einer Verurteilung des Täters Schmerzensgeld beantragen. Diesen Anspruch kann es bereits im Strafprozess durch ein sogenanntes Adhäsionsverfahren geltend machen.

Weitere Informationen:

 

Quellen: http://www.frauenhorizonte.de, http://seismart.de/sex/kann-man-einen-mann-vergewaltigen_41.html, http://www.polizei-beratung.de/opferinformationen/sexuelle-noetigungvergewaltigung.html

"Die ganze Vielfältigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit unseres Lebens
setzen sich aus LICHT und SCHATTEN zusammen."
(Tolstoi)