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Eine Trennung aufgrund häuslicher Gewalt sollte vorbereitet sein

Einer britischen Studie zufolge vergehen von der ersten Misshandlung bis zu dem Zeitpunkt, an dem Frauen Hilfe von außen in Anspruch nehmen, durchschnittlich sieben Jahre.

Was spricht für eine Trennung?

Je länger Du wartest, desto schwerer wird es:

  • die Gewalt eskaliert mit jedem Mal
  • Dein Selbstbewusstsein schwindet
  • die dauernde Angst lähmt Dich
  • gesundheitlichen Folgen werden schlimmer

Du gewinnst dabei:

  • Vertrauen in die eigene Stärke,
  • viele psychische und körperliche Beschwerden verschwinden,
  • denn die Anspannung lässt nach.
  • Du bist nicht mehr isoliert und kannst mit Anderen darüber sprechen.
  • Es gibt wieder eine Zukunft.

Ketten lösen

Mittels Gewaltschutzgesetz kannst Du den Täter/die Täterin u.a. aus der Wohnung weisen und ihm Kontaktverbot erteilen lassen. Mehr hierzu findest Du im Kapitel Platzverweisverfahren . Wenn Du befürchtest, dass Dein/e Partner/in (wieder, trotzdem) gewalttätig wird, solltest Du auf eine Flucht vorbereitet sein.

Erfahrungen zeigen, dass manche Misshandler/innen aus Wut nach einer Trennung Dokumente und dem Opfer wichtige Gegenstände vernichten. Versuche deshalb, die wichtigsten Dokumente mitzunehmen. Belasse aber eine (Farb)kopie in den Akten, damit das Fehlen nicht auffällt. Oder nimm nur Kopien mit. Packe die Unterlagen und andere notwendige Dinge eine "Notfalltasche" und verstecke diese an einem sicheren Ort, z.B. bei Freunden, Nachbarn, am Arbeitsplatz.

Notfalltasche:

  • Ausweis / Pass und Kinderausweise
  • evtl. Staatsbürgerschaftsnachweis
  • Geburtsurkunden / Heiratsurkunde
  • Krankenkassen-Karte auch der Kinder
  • Mietvertrag, Arbeitsvertrag,
  • Renten-, Sozial- und Arbeitsamtsbescheide
  • evtl. Kopien von Sorgerechtsentscheid / Schutzanordnung
  • Bankunterlagen, Sparbücher, Wertpapiere in Kopien
  • Schmuck
  • das Nötigste für einige Tage: Kleidung, Hygieneartikel, Schulsachen, Lieblingsspielzeug, Medikamente
  • Ersatzschlüssel für Wohnung/Auto
  • Adressbuch
  • Erinnerungen: Tagebücher, Fotos und geliebte Dinge
  • Dokumentationen und Fotos von früheren Misshandlungen (fotografiert von Ärzten, der Gewaltambulanz Heidelberg oder ggf. von vertrauten Personen)

Falls Du sehr stark kontrolliet wirst, achte darauf, dass Du auffällige Gegenstände, erst am Tag des Auszuges mitnimmst. Fällt das Fehlen von Sachen früher auf, kann das Konflikte provozieren. Davor solltest Du Dich schützen.

Sicherheitsplan

Triff Absprachen mit den Nachbarn oder mit FreundInnen für den Notfall:

Bitte sie, die Polizei zu rufen bzw. Dich und Deine Kinder kurzzeitig in die Wohnung zu lassen, damit Ihr geschützt seid. Notiere Dir die Telefonnummern von Polizei, Beratungsstellen und geschützten Wohnmöglichkeiten auf einem handlichen Zettel, den Du gut versteckt aber jederzeit zugänglich aufbewahrst (z.B. in der Geldbörse o.ä.)

Gewaltschutz.info bietet Dir ein Formular an für einen persönlichen Sicherheitsplan. Du kannst ihn herunterladen und ausdrucken. Er hilft Euch beim Vorbereiten und auch später.

Sicherheitsplan HIER downloaden

Verhalten bei Gefahr

Wirst Du abermals misshandelt: Bring Dich sich sofort in Sicherheit! Schließe Dich in einem Zimmer mit Telefon/Handy ein und rufe umgehend die Polizei:

Tel. 112 europäischer Polizei-Notruf
oder Tel. 110 in Deutschland

Solltest Du diese Möglichkeit nicht haben, verlasse schnellstmöglich die Wohnung. Laufe zu Deinen informierten Nachbarn oder flüchte in öffentliche Einrichtungen, z.B. Gaststätten oder Geschäfte. Benachrichtige von dort aus die Polizei und teilt ihr mit, wo Du bist. Bitte andere Personen direkt um Schutz und Hilfe. Ungefragt wird es Dir leider so gut wie Niemand anbieten.

Wenn Du Dich nicht retten könnt, schreie nicht "Hilfe" sondern "Feuer!". Darauf reagieren Nachbarn und Passanten eher.

Wenn die Polizei kommt

Erzähle der Polizei, was geschehen ist und auch was Du befürchtest. Berichte vor allem auch von früheren Misshandlungen. Die Polizei sollte Dich getrennt vom Täter/in befragen, sollte Beweise sichern und Fotos machen. Sie kann Misshandler/innen für einige Tage aus der Wohnung weisen oder in Gewahrsam nehmen. Die Polizei kann Dir auch helfen, sicher aus der Wohnung zu kommen und Dich zum geschützten Wohnen oder zum Frauenhaus bringen.

Wohin bei einer Trennung?

  • Es hat wenig Sinn, zu Bekannten oder Verwandten zu fliehen, solange der Misshandler/die Misshandlerin deren Adresse kennt.
  • Wenn Du die Möglichkeit hast, unbemerkt eine eigene Wohnung anzumieten, brauchst Du aufmerksame Nachbarn oder Freunde, die Dich dort während einer sehr gefährlichen Zeit unterstützen. Denn bei diesem Weg bist Du ganz auf Dich gestellt. Suche Dir die Unterstützung einer spezialisierten Beratungsstelle.
  • Geschütztes Wohnen kann betroffenen Menschen Schutz bieten. In den anonymen Schutzeinrichtungen finden Betroffene und deren Kinder Schutz vor Gewalt, können zur Ruhe kommen und mit Unterstützung und Beratung klären, wie es für sie weitergehen kann. Schutzwohnungen sind in der Regel komplett eingerichtet und ausgestattet. Durch die Unterteilung in kleinere Wohneinheiten an diversen Standorten, haben manche Träger die Möglichkeit Frauen UND Männern, die Schutz suchen, das Geschützte Wohnen anzubieten. Auch Frauen mit jugendlichen Söhnen haben die Möglichkeit gemeinsam mit ihren Kindern aufgenommen zu werden, was in den meisten Frauenhäusern nicht möglich ist.
  • Frauenhäuser bieten bedrohten Frauen und ihren Kindern unabhängig von Staatsangehörigkeit, regionaler Herkunft und ReligionUnterkunft und Schutz vor Misshandlungen. Du hast hier die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen und in der Gemeinschaft der Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen Dich mit den eigenen Erfahrungen auseinanderzusetzen und zu lernen, neue Lebensperspektiven innerhalb oder außerhalb der Partnerschaft zu entwickeln. Hilfe zur Selbsthilfe ist hier das Konzept. Die Adresse sind anonym. Frauenhäuser schützen und beraten Frauen und ihre Kinder, die von körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt betroffen und bedroht sind, die unterdrückt oder gedemütigt werden. Die Aufnahme erfolgt in der Regel über einen telefonischen Erstkontakt. Notunterbringung in der Nacht ist für Frauen oft auch über die Polizei möglich. Frauen, die akut psychisch krank, suchtmittelabhängig und obdachlos sind, können meistens nicht aufgenommen werden.
  • Männerhäuser bieten von häuslicher Gewalt betroffenen Männern anonymen Schutz. Es gibt wesentlich weniger Männerhäuser als Frauenhäuser. Das Männerhaus Berlin bietet Zuflucht für Männer, die Schutz vor psychischer und physischer Gewalt suchen, die von sexueller Gewalt betroffen sind, deren Kinder von der Partnerin misshandelt werden und die keinen Ausweg mehr für sich sehen.

Die Polizei kann den Misshandler/die Misshandlerin zwar aus der Wohnung verweisen, aber in besonders gefährlichen Situationen solltest Du mit den Kindern die Wohnung verlassen und in eine sichere Unterkunft ziehen. Faktoren für eine besondere Gefährlichkeit von Misshandlern sind:

  • Waffenbesitz,
  • (Selbstmord-), Morddrohungen,
  • Alkohol- und Drogenkonsum,
  • krankhafte Eifersucht.

Hilfe und Unterstützung

Es gibt diverse Hilfsangebote für Opfer häuslicher Gewalt. Vieles ist leichter, wenn Du die nötigen Telefonnummern schon vor der Trennung bereithältst und mit den Beratungsstellen vorher Kontakt aufnimmst. Wir empfehlen in erster Linie die Beratung der Träger von Schutzwohnungen und Frauenhäuser oder dem Weißen Ring zu nutzen, da sie Erfahrung im Umgang mit Euren Problemen haben. Notiere Dir Telefonnummern von:

  • Frauenhäusern, Schutzwohnungen (bieten auch Fachberatung ohne Einzug in die Einrichtung an)
  • Weißer Ring
  • Amtsgericht
  • zuständiges Jobcenter
  • Jugendamt

Die Adressen müssen aus Sicherheitsgründen geheim bleiben.

Auflistung der Adressen findest Du unter der Rubrik Nützliche Adressen

 

vgl: https://www.gewaltschutz.info

"Die ganze Vielfältigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit unseres Lebens
setzen sich aus LICHT und SCHATTEN zusammen."
(Tolstoi)